15
Okt
2010

Welche Therapieziele können heute erreicht werden?

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Autor: Dr. Uwe Beise

Die Behandlungsziele bei Psoriasis sind ambitioniert. Es geht nicht nur darum, die Haut- und Nagelsymptome, zu lindern. Inzwischen weiß man, dass die Schuppenflechte eine systemische Entzündungskrankheit ist, die auch andere Organe in Mitleidenschaft ziehen kann. Bei der Behandlung rücken deshalb auch die Psoriasis-Arthritis und verschiedene Begleiterkrankungen in den Fokus der Aufmerksamkeit. Doch welche Ziele können heute schon erreicht werden? Wir fragten dazu den Frankfurter Psoriasis-Spezialisten Dr. Diamant Thaci.

Dr. med. Diamant Thaci ist Oberarzt im Zentrum der Dermatologie und Venerologie am Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt. Er leitet dort die Studienambulanz.

Dr. Thaci, welche Therapieziele gibt es heute in der Behandlung von Menschen mit Psoriasis?

Thaci: Das hängt davon ab, ob man das aus Ärzte- oder aus Patientensicht sieht. Wir Ärzte streben eine deutliche Befundbesserung an, was man dann mit Skalen wie dem PASI 75 messen kann. Die meisten Patienten möchten natürlich völlig beschwerdefrei sein oder allenfalls mit minimalen Läsionen leben und sind überhaupt nicht zufrieden, wenn sich der Hautzustand etwa nur um 50 Prozent bessert. Mein Ziel ist es, dass ein Psoriasis-Patient allenfalls noch geringe Beschwerden hat.

Was kann man heute mit einer optimalen Therapie erreichen?

Thaci: Die Erwartungen an die moderne Therapie sind ziemlich klar. Wenn wir eine reine Haut-Psoriasis haben, dann können wir heute eine effektive Therapie anbieten. Allerdings ist man doch oft irgendwann gezwungen, die Behandlung zu wechseln, sei es, weil die Wirkung unzureichend ist oder nachlässt, oder weil sich Nebenwirkungen einstellen. Man sollte es nicht beschönigen: Früher oder später müssen wir viele Patienten von einer in die andere Therapie überführen.

Heute spielen zunehmend auch Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) eine Rolle in der Therapieplanung.

Thaci: Das ist richtig. Das Ziel ist immer eine frühzeitige adäquate Therapie, die individuell an jeden Patienten angepasst wird. Dabei kommt es darauf an, alle Erscheinungen der Psoriasis zu behandeln, also sowohl die an der Haut als auch eine beginnende Psoriasisarthritis. Zudem sind Komorbiditäten, die bei langdauernder Psoriasis gehäuft auftreten, wie etwa Diabetes, Bluthochdruck oder koronare Herzkrankheit, zu bedenken und in den Therapieplan einzubeziehen.

Was bedeutet das konkret, Komorbiditäten zu beachten?

Thaci: Die Komorbiditäten sind eher als Folge einer sehr langen, nicht adäquat behandelten Psoriasis zu sehen. Frühe Entdeckung von Komorbiditäten, wie z.B. Diabetes und Bluthochdruck, könnten zu einer rechtzeitigen Einleitung notwendiger internistischer Therapien führen. Außerdem können Begleiterkrankungen unter Umständen die Durchführung einer systemischen Therapie erschweren.

Ist momentan schon gesichert, ob sich Komorbiditäten wirklich verhindern lassen?

Thaci: Wir haben im Moment starke Hinweise darauf, dass die zugrunde liegende chronische Entzündungsreaktion ein all diesen Erkrankungen zugrunde liegender Faktor ist. Bekommen wir die Entzündung in den Griff, sollten wir damit auch die Folgeerkrankungen günstig beeinflussen können.

Was macht Sie da so zuversichtlich?

Thaci: Wir sehen beispielsweise bei der rheumatoiden Arthritis, dass durch den frühzeitigen Einsatz von systemischen Therapien viel erreicht werden kann und wir die Komorbiditäten und Gelenkdestruktionen verhindern können. Es wird sicher weitere Daten geben, die das auch für die Psoriasisarthritis untermauern.

Bis heute ist eine Heilung der Psoriasis und Psoriasisarthritis nicht möglich. Wie vermitteln Sie das den Patienten?

Thaci: Zunächst ist es verständlich, dass Patienten eine definitive Heilung wünschen. Wir müssen dem Patienten aber erklären, dass wir die Psoriasis noch nicht heilen können. Andererseits machen wir ihm klar, dass wir heute über Therapien verfügen, die sehr wirksam sind, wo der Nutzen die Risiken, denen sie sich aussetzen, deutlich überwiegt. Wenn ein Patient, der aus ärztlicher Sicht nur geringe Befunde aufweist, jedoch stark darunter leidet, müssen wir auch seinem Wunsch Rechnung tragen, seine Lebensqualität zu verbessern und die Therapie auf seine Bedürfnisse zuschneiden.

Man weiß, dass selbst schwer erkrankte Psoriasis-Patienten nicht unbedingt eine systemische Therapie einfordern. Woran liegt das?

Thaci: Man muss unterscheiden. Ein Patient mit Psoriasisarthritis hat Schmerzen, er sieht leicht ein, dass er eine systemische Behandlung braucht. Und die Psoriasisarthritis schreitet zumeist voran und befällt dann nach und nach immer mehr Gelenke. Anders ist die Situation bei Patienten, die eine langjährige Psoriasis haben und die schon Jahre mit dem Eincremen von Salben mehr schlecht als recht hinter sich gebracht haben. Sie sind nicht selten abgeneigt, sich einer systemischen Therapie zu unterziehen. Manche sind durch ihre Krankengeschichte so frustriert, dass sie nicht daran glauben, dass ihnen etwas helfen kann. Oder sie haben sich erkundigt und sind von möglichen Nebenwirkungen abgeschreckt. Sie neigen nicht selten dazu, diese Option abzulehnen.

Merksätze:

  • Für die Psoriasis gibt es heute eine effektive Therapie. Allerdings ist man oft irgendwann gezwungen, die Behandlung zu wechseln, sei es, weil die Wirkung unzureichend ist oder nachlässt, oder weil sich Nebenwirkungen einstellen.
  • Wichtig ist, dass frühzeitig eine individuell angemessene Therapie begonnen wird.
  • Allerdings sind manche Patienten abgeneigt, sich einer notwendigen systemischen Therapie zu unterziehen. Viele von ihnen sind durch ihre Krankengeschichte so frustriert, dass sie nicht daran glauben, dass ihnen etwas helfen kann.

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