Bei etwa 20 Prozent aller Menschen mit Schuppenflechte greift die systemische Entzündung auf die Gelenke über. Man spricht dann von einer Psoriasis-Arthritis. Die Gelenkentzündung bildet sich oft Jahre nach dem Ausbruch der Haut-Psoriasis, kann manchmal aber auch den Hautsymptomen vorausgehen oder gelegentlich ganz ohne Hautbeteiligung auftreten. In einem Gespräch erläutert der Rheumatologe Dr. Markus Cybulla, welche Beschwerden die Gelenkentzündung hervorruft und wie die Krankheit diagnostiziert wird.
Dr. med. Markus Cybulla ist Facharzt für Innere Medizin, Nephrologie und Rheumatologie in Mülheim.
Dr. Cybulla, welche Beschwerden lassen den Verdacht auf eine Psoriasis-Arthritis aufkommen?
Cybulla: Die Psoriasis-Arthritis beginnt mit Schmerzen einzelner Gelenke. Anfangs können nur ein oder wenige Gelenke davon betroffen sein. Im Laufe der Zeit kommen oft weitere hinzu. Besonders häufig sind die kleinen Gelenke an der Hand oder an den Zehen befallen, aber auch Knie- und Sprunggelenk oder Ellenbogen können betroffen sein. Typisch ist der Befall im Strahl, das heißt: alle Gelenke eines Fingers oder eines Zehs sind befallen. Sind von dem entzündlichen Prozess (auch) Weichteile betroffen, ist der ganze Finger oder Zeh geschwollen. Man spricht dann im Fachjargon von Daktylitis. Ähnlich wie bei der rheumatoiden Arthritis leiden viele Patienten auch unter einer Morgensteifigkeit der Gelenke. Gelenkergüsse können ebenfalls vorkommen, sind aber seltener als bei rheumatoider Arthritis.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Cybulla: Wichtig ist zunächst, dass sich Menschen mit Psoriasis, die über Gelenkschmerzen klagen, rasch einem Rheumatologen vorstellen, damit die Beschwerden abgeklärt werden können und eine Behandlung begonnen werden kann.
Beim Arzt werden dem Patienten Blut abgenommen, und es werden Röntgenbilder gemacht. Leider gibt es keinen spezifischen Laborbefund für Psoriasis-Arthritis. Ein bestimmter Oberflächenmarker auf weißen Blutzellen, das sogenannte HLA-B 27, ist oft positiv. Allerdings unterstützt ein positiver Befund nur die Verdachtsdiagnose – er ist nicht beweisend. Der Röntgenbefund liefert meist erst bei fortgeschrittener Erkrankung einen auffälligen Befund, wenn es also bereits zu Veränderungen an Gelenken gekommen ist.
Diagnostisch wegweisend sind also die Kombination aus dem Hautbefall und den Gelenkbeschwerden sowie der Ausschluss anderer entzündlicher Gelenkerkrankungen. Manchmal ist die Diagnostik wie ein Puzzlespiel, und es ist nicht mit einem Arztbesuch getan, bis die einzelnen Teile zusammengetragen werden können. Extrem schwierig ist die Diagnose einer Psoriasis-Arthritis, wenn kein Hautbefund vorhanden ist. Diese Konstellation kommt aber selten vor. Zu achten ist immer auf Nagelveränderungen (z.B. Tüpfelnagel), die häufig im Zusammenhang mit einer Psoriasis-Arthritis zu finden sind und ihr auch vorausgehen können.
Wie verläuft die Psoriasis-Arthritis, wenn sie nicht adäquat behandelt wird?
Cybulla: Ohne adäquate Behandlung schreitet die Gelenkentzündung meist in Schüben voran. Bei einem schweren Verlauf können über die Jahre schwere Gelenkzerstörungen entstehen. Diese können es den Betroffenen z.B. erschweren, ihre Hände zufriedenstellend zu benutzen, was wiederum zu Arbeitsunfähigkeit führen kann. Es gibt aber auch Krankheitsverläufe, die nicht so zerstörerisch sind.
Merksätze:
- Eine Psoriasis-Arthritis entwickelt sich bei etwa 20 Prozent aller Menschen mit Schupppenflechte.
- Anzeichen für eine Gelenkentzündung sind Schmerzen an verschiedenen Gelenken. Besonders häufig befallen sind die kleinen Hand- und Fußgelenke, aber auch größere Gelenke (z.B. Knie, Ellenbogen) können betroffen sein. Weitere Symptome sind Gelenkschwellung und Morgensteifigkeit.
- Eine frühzeitige Diagnose ist wichtig, da die Psoriasis-Arthritis auf lange Sicht zu einer Gelenkzerstörung führen kann, wenn sie nicht adäquat behandelt wird.



