Bei etwa 20 Prozent aller Menschen mit Schuppenflechte entwickelt sich eine Psoriasis-Arthritis, auch Gelenk-Psoriasis genannt. Sie kann das Leben der Betroffenen durch Schmerzen und Bewegungseinschränkungen erheblich beeinträchtigen. . Die Gelenkentzündung kann aber in den meisten Fällen gut behandelt werden. Im folgenden Gespräch erläutert der Rheumatologe Markus Cybulla, welche Therapiemöglichkeiten es heute gibt.
Dr. med. Markus Cybulla ist Facharzt für Innere Medizin, Nephrologie und Rheumatologie in Mülheim.
Dr. Cybulla, wie behandelt man eine Psoriasis-Arthritis?
Cybulla: Bei leichteren Beschwerden können bei einem Krankheitsschub kortisonfreie entzündungshemmende Medikamente verabreicht werden. Bei aktiver fortschreitender Erkrankung und schwerem Verlauf ist sofort eine systemische Behandlung mit den sogenannten Basistherapeutika erforderlich. Hierzu zählen unter anderem Sulfasalazin und Methotrexat, wobei letzteres auch die Hauterscheinungen günstig beeinflussen kann. Anders als bei der rheumatoiden Arthritis lässt sich mit diesen konventionellen Systemtherapeutika die Psoriasis-Arthritis erfahrungsgemäß oft nicht befriedigend in den Griff bekommen. Wenn sich keine Besserung einstellt, kann eine Behandlung mit einem Biologikum, wie beispielsweise einem TNF-alpha-Blocker, in Betracht kommen. Diese können irreversible Gelenkzerstörungen verhindern.
Wie gut wirken Biologika bei Psoriasis-Arthritis?
Cybulla: Die Einführung der Biologika hat einen enormen Fortschritt für Patienten mit Psoriasis-Arthritis gebracht. Etwa 60 bis 70 Prozent kommen unter einem TNF-alpha-Blocker in eine Remission, das heißt: die Symptome bilden sich innerhalb der ersten drei Behandlungsmonate zurück. Für die Patienten ist das dann deutlich spürbar: Die Schmerzen lassen nach, Aktivität und Lebensqualität steigen enorm. Man muss aber auch wissen, dass Haut und Gelenke nicht immer gleich gut auf ein Biologikum ansprechen. Es kann also sein, dass die Gelenkbeschwerden völlig verschwinden, während an der Haut noch ein mehr oder weniger deutlicher Befund bestehen bleibt. Umgekehrt können Biologika manchmal das Hautbild dramatisch verbessern, während die Gelenk-Psoriasis nur wenig beeinflusst wird. Allgemein kann man sagen, dass ein großer Teil der Patienten (60-70 Prozent) eine weitgehende Erscheinungsfreiheit erreicht. Das Risiko für eine Infektion wird erhöht.
Wie lange müssen die Patienten mit Biologika therapiert werden?
Cybulla: Ein Vorteil der Biologika ist, dass sie gezielt in die Entzündungsprozesse eingreifen und diese stoppen können. Eine Heilung ist aber nicht möglich. Man muss davon ausgehen, dass die Psoriasis-Arthritis sich wieder meldet, wenn man die Behandlung unterbricht. Wenn die Erkrankung eines Patienten längere Zeit (z.B. über ein Jahr) in der Remission ist, kann man aber erwägen, die Dosis langsam zu reduzieren.
Was kann man tun, wenn die Wirkung eines Biologikums nicht eintritt oder nachlässt?
Cybulla: In diesen Fällen besteht die Möglichkeit, auf ein anderes Biologikum umzustellen, um so doch noch zum Erfolg kommen zu können. Neben den bereits verfügbaren Medikamenten erwarten wir in den nächsten Jahren die Zulassung weiterer Biologika, sodass ich die Chancen als gut einschätze, dass wir fast alle Patienten mit Psoriasis-Arthritis auf Dauer gut behandeln können.
Kann die Biologikatherapie bleibende Gelenkschäden verhindern?
Cybulla: Ja, davon kann man heute ausgehen, sofern früh genug mit der Behandlung begonnen wird. Wenn erst einmal Gelenkzerstörungen eingetreten sind, kann man diese nicht mehr rückgängig machen.
Sind unterstützende Maßnahmen, wie Krankengymnastik oder physikalische Therapien wie Massagen oder Elektrotherapie, hilfreich?
Cybulla: Auf jeden Fall. Diese Maßnahmen sollten unterstützend parallel zur medikamentösen Therapie durchgeführt werden. Dazu gehören im Speziellen die Fingergelenksmassage in warmem Sand, Wassergymnastik sowie gezieltes Funktionstraining unter physiotherapeutischer Betreuung.
Wie stark darf sich ein Patient mit Psoriasis-Arthritis körperlich belasten? Dürfen die Betroffenen Sport treiben?
Cybulla: In der akuten Phase von Gelenksentzündungen werden die Patienten aufgrund der Beschwerden von sich aus schon auf sportliche Aktivitäten verzichten. In dieser Phase sollte man die Gelenke eher schonen als belasten. Aber sind die Patienten gut behandelt und die Gelenksentzündungen zurückgedrängt, dann ist gegen die Ausübung von Sport mit moderater Intensität (Ausdauersportbereich) aus rheumatologischer Sicht nichts einzuwenden.
Merksätze:
- Die Psoriasis-Arthritis kann in leichten Fällen mit kortisonfreien Entzündungshemmern behandelt werden. In schwereren Fällen kommen zunächst konventionelle Systemtherapeutika zum Einsatz (z.B. Sulfasalazin oder Methotrexat). Stellt sich keine ausreichende Wirkung ein, liegen Gegenanzeigen vor oder treten Nebenwirkungen auf, bieten Biologika, z.B. TNF-alpha-Blocker, eine wirksame Alternative.
- Die medikamentöse Behandlung sollte durch Krankengymnastik und physikalische Therapien unterstützt werden.



