Immer wieder tauchen Diäten auf, die angeblich bei Psoriasis helfen sollen. Medizinisch fundiert ist kaum eine davon. Wir wollten deshalb wissen, welche Ernährung bei Psoriasis wirklich hilft und fragten den Experten Dr. Christian Mensing, Leiter des Dermatologischen Ambulatoriums Hamburg-Alstertal.
Dr. Mensing, viele Menschen mit Schuppenflechte fragen sich, ob es eine wirksame Psoriasis-Diät gibt. Was wissen Sie darüber?
Bei dem Thema Ernährung und Schuppenflechte ist zunächst eines festzuhalten: Eine spezielle Psoriasis-Diät gibt es nicht! Die Ernährung spielt aber trotzdem eine wichtige Rolle, denn heute weiß man, dass die Schuppenflechte keine reine Hauterkrankung ist, sondern vielmehr als entzündliche Erkrankung des ganzen Körpers verstanden werden muss. Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass Psoriasis mit verschiedenen Begleiterkrankungen einhergehen kann. Zu diesen gehören Gelenkentzündungen, aber auch Erkrankungen des Stoffwechsels wie Übergewicht, Zuckerkrankheit oder Fettstoffwechselstörungen. Außerdem kann Übergewicht den Erkrankungsverlauf und den Behandlungserfolg negativ beeinflussen. Eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung ist daher wichtig zur Vorbeugung und Behandlung von Begleiterkrankungen und zum Abbau von Übergewicht.
Gibt es darüber hinaus Wege, wie Patienten ihre Schuppenflechte oder deren Begleiterkrankungen über die Ernährung positiv beeinflussen können?
Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass fettreicher Seefisch und Fischöle entzündungshemmende Wirkungen bei Psoriasis entfalten können. Fettreiches Fleisch oder Wurst, aber auch Eigelb und Innereien haben hingegen einen hohen Anteil an Arachidonsäure. Diese Fettsäure kann Entzündungsprozesse im Körper fördern. Fett ist also nicht gleich Fett und sollte bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen daher bewusst ausgewählt werden. Patienten mit Psoriasis-Arthritis scheinen hiervon besonders zu profitieren.
Auch eine Kost, die reich an Obst und Gemüse ist, scheint aufgrund der enthaltenen Antioxidantien bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen vorteilhaft zu sein. Eine pflanzenbetonte Kost mit ballaststoffreichen Vollkornprodukten und einem geringen Anteil fettreicher Fleischprodukte bei gleichzeitig regelmäßigem Fischverzehr, der Wahl hochwertiger Pflanzenöle und der gezielten Auswahl fettarmer Milchprodukte wirkt sich positiv auf begleitende Erkrankungen aus. Sie kann den Fett- und Zuckerstoffwechsel verbessern und den Blutdruck sowie das Körpergewicht senken.
Neben der Ernährung spielt außerdem eine regelmäßige körperliche Bewegung und die Reduktion von Stressbelastungen eine zentrale Rolle.
Manche Menschen mit Psoriasis berichten von Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten. Ist das wissenschaftlich untermauert?
Ein grundsätzlicher Zusammenhang zwischen der Psoriasis und Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten lässt sich nicht feststellen. Einige Patienten berichten jedoch, dass bestimmte Lebensmittel, wie scharf gewürzte Speisen oder Alkohol, den Hautzustand verschlechtern können. Ein regelmäßiger oder übermäßiger Alkoholkonsum erhöht nicht nur das Risiko für das Auftreten einer Schuppenflechte, sondern wirkt sich auch negativ auf den Erkrankungsverlauf aus. Einige Untersuchungen weisen zudem darauf hin, dass einige wenige Patienten mit Psoriasis von einer glutenfreien Ernährung profitieren. Allerdings ist die tatsächliche Wirksamkeit einer solchen stark einschneidenden Diät noch nicht endgültig bewiesen.
Wenn ich eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit vermute, wie kann ich herausfinden, ob das stimmt?
Wenn jemand vermutet, bestimmte Nahrungsmittel nicht zu vertragen, empfiehlt es sich, über einen längeren Zeitraum ein Ernährungstagebuch zu führen. In diesem sollte genau protokolliert werden, was gegessen und getrunken wurde, welche Gewürze Verwendung fanden und welche Beschwerden aufgetreten sind. Ein solches Ernährungstagebuch sollte idealer Weise gemeinsam mit einer versierten Ernährungsfachkraft ausgewertet werden, um herauszufinden, ob bestimmte Reizfaktoren individuell eine Rolle spielen, und um unnötige Diäten zu vermeiden.
Gibt es Nahrungs- oder Genussmittel, auf die man bei Schuppenflechte lieber verzichten sollte?
Der übermäßige Verzehr von Alkohol sowie das Rauchen erhöhen nicht nur das Risiko, an einer Schuppenflechte zu erkranken, sondern verschlechtern auch nachweislich das Hautbild und den Erkrankungsverlauf. Es ist bei Psoriasis daher dringend zu empfehlen, das Rauchen aufzugeben und den Verzehr von Alkohol auf ein Minimum zu reduzieren.
Wo kann man mehr über das Thema Psoriasis und Ernährung erfahren?
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) e.V. bietet auf ihrem Internetportal umfangreiche Informationen und praktische Tipps rund um das Thema gesunde Ernährung. Hier können auch weiterführende Informationen zur Ernährung bei Erkrankungen des Fett- oder Zuckerstoffwechsels bezogen werden. Auch das Onlineportal „Was-wir-essen“ des aid-Infodienstes hält umfangreiche Informationen von der Erzeugung bis zur Zubereitung von Lebensmitteln bereit und informiert über Ernährungstipps bei verschiedenen Erkrankungen. Kontakt zu qualifizierten Ernährungsfachkräften erhalten Betroffene über die DGE e.V., den Verband der Oecotrophologen (VDOE) e.V., die Deutsche Gesellschaft der qualifizierten Ernährungstherapeuten und Ernährungsberater (QUETHEB) e.V., den Verband für Ernährung und Diätetik (VFED) e.V. oder den Verband der Diätassistenten (VDD) e.V. Auch der Deutsche Psoriasis Bund e.V. bietet vielseitige Informationen und Unterstützung bei Fragen rund um die Schuppenflechte.
Gemeinsam mit dem Abbott-Care-Patientenservice haben die in unserer Praxis tätige Diplom-Oecotrophologin Anja Waßmann und ich zudem eine Broschüre zum Thema Ernährung und Psoriasis erstellt, die für die Betroffenen neben den Grundlagen einer ausgewogenen Ernährung auch praktische Tipps und leckere Rezepte für den Alltag bereithält. Die Broschüre ’Ernährung und Psoriasis’ können Interessierte kostenlos über abbott-care.de bestellen.
Das Interview führte Dr. med. Albert Röder


